Description
1969 kam Aldo Cipullo von David Webb – und davor Tiffany & Co. – zu Cartier, und in den folgenden fünf Jahren veränderte er grundlegend, was die Maison unter ihrem Namen herausbrachte. Sein Instinkt war es, den schlichtesten Industriegegenstand – eine Schraube, einen Nagel, ein zum Knoten geschlungenes Stück Seil – zu nehmen und darauf zu bestehen, dass er es wert war, in Gold ausgeführt zu werden. Aus dieser Überzeugung entstand 1969 das Love-Armband, 1971 das Juste un Clou. Cartier setzte seine Signatur neben die eigene – ein Recht, das die Maison nahezu niemandem gewährte.
Diese Ohrclips sind dieselbe Idee in Ruhe. Jeder besteht aus einer Scheibe Lapislazuli von 2,7 Zentimetern Durchmesser, gekreuzt von zwei Stegen aus 18 Karat Gelbgold, die sich in der Mitte treffen und verknoten. Der Knoten liegt erhaben über dem Stein statt in ihn eingesenkt, sodass ein Schatten über das Blau darunter fällt. Nichts ist gefasst, nichts ist pavé, nichts umrahmt den Stein. Gold hält Lapis, und dieses Halten ist der Entwurf.
Der Lapis zeigt jenes tiefe, satte Ultramarin, das den Stein lange vor seiner Verwendung im Schmuck wertvoll machte – zu Pulver vermahlen war er das teuerste Pigment im Europa der Renaissance, vertraglich dem Gewand der Madonna vorbehalten. Über jede Scheibe ziehen sich Pyriteinschlüsse, die kleinen goldfarbenen Kristalle, die natürlich im Gestein vorkommen und die keine Imitation nachbildet. Gegen das Gelbgold des Knotens ergeben sich zwei Arten von Gold zugleich: das eine poliert und bewusst gesetzt, das andere zufällig über den Stein verstreut.
Die Rückplatte jedes Clips ist mit CARTIER, 1973 samt Copyright-Zeichen sowie A. Cipullo graviert. Die Scheiben werden von vier Goldkrappen am Rand gehalten, die Platte ist mit Sechskantschrauben befestigt – wieder Cipullo, der sich weigert, eine Verbindung zu verbergen, die sich genauso gut schön ausführen lässt. Die Fassungen sind Clips, für nicht durchstochene Ohren. Der Entwurf ist in der Monografie von Vivienne Becker und Renato Cipullo, Cipullo: Making Jewelry Modern (Assouline, New York, 2021, S. 135), abgebildet.
